Victoria – Motorrad – Sensationsfund – Veterama Mannheim 2018 Victoria KR III – Sodengetriebe 1924

SODENGETRIEBE FÜR MOTORRÄDER

GEFUNDEN – VETERAMA MANNHEIM 2018:

Sodengetriebe für Victoria KR III (eines von den drei gefertigten Prototypen):

In den Jahren 1924 – 1926 befasste sich ZF (Zahnradfabrik Friedrichshafen) mit der Entwicklung eines Motorradgetriebes für schwere Motorräder mit 3 Gängen und mit der für das Sodengetriebe typischen Gangvorwahl. Der Name „Soden“ wurde vom technischen Mitbegründer und langjährigen Vorstand von ZF, Alfred Graf von Soden-Fraunhofen, übernommen. Für den Einsatz im Motorrad konnte dieses kompakte Dreigang-Sodengetriebe mit nur einer Vorgelegewelle dargestellt werden. Die Getriebewellen lagen Quer zur Fahrtrichtung, der Schaltmechanismus war in Fahrzeugquerrichtung angeordnet. Bei diesem Dreigang-Getriebe war der Kraftfluss für die ersten beiden Gänge über eine Vorgelegewelle, der dritte Gang wurde als Direktgang geführt. Die Gangvorwahl erfolgte durch einen Drehgriff am Lenker. Mit dem Mechanismus zur Gangvorwahl war die Anzeige des Ist-Ganges verbunden. Die grundsätzliche Schaltung entsprach den PKW- und LKW Fahrzeugtrieben. Technisch wurde der Aufbau des Schaltungsteiles jedoch anders gelöst. Die Vorrichtung zum Auslösen der Schaltung und zum  Abheben der Schaltgabeln beim Kuppeln nach Gangvorwahl bestand aus einer in Längsrichtung geschlitzten Hohlwelle. In diesen Schlitz ragten die Enden der Schaltgabeln. Durch Verdrehen dieser Hohlwelle beim Auskuppeln wurden alle drei Schaltgabeln gegen die Federn in Richtung „Offen“ gedrückt. Die Betätigung der Welle erfolgte hinten an der Getriebeunterseite über einen Hebel. Der Mechanismus zur Verriegelung der Schaltgabeln befand sich beim Motorradgetriebe innerhalb der durch die Kupplungsbetätigung zu verdrehenden Hohlwelle. Diese Verriegelung erfolgte durch einen axial verschiebaren Riegelschalter. Dieser wurde durch den Drehgriff am Lenker gegen Federkraft axial gedrückt. Abhängig von der axialen Stellung des Schiebers wurde die Schaltgabel für den jeweils vorgewählten Gang freigegeben. Über die axiale Stellung des Riegelschiebers war eine Anzeige des Ist-Ganges möglich.

Sodengetriebe komplett mit Gangwelle und Drehgriff am Lenker

Drehgriff am Lenker

Die Firma ZF hat mindestens ein Motorrad von Victoria mit Beiwagen erworben. Das Kennzeichen war: III Z-6098, Zulassung in Tettnang. Auf der Abbildung ist das Motorrad mit eingebauten Sodengetriebe zu sehen:

Im Zeichnungsbuch datieren Informationen für die Motorräder KR III von März bis November 1924. Unter den Kosten für die Jahre 1924 und 1925, für die drei Sodengetriebe, veranschlagte man mit den Versuchen für diese – 3024,- Mark. Für die konstruktive Mitarbeit am Soden-Motorrad-Getriebe wurde für Oberingenieur Wilhelm eine Vergütung von 5000,- Mark bezahlt. Die Relation zwischen Konstruktionskosten und Versuchskosten sieht man heute völlig anders, der Versuchsaufwand übersteigt den Konstruktionsaufwand beträchtlich. Trotz großer Lobeshymnen von der Fachpresse über das „geräuschlose Laufen und die Erleichterung beim Schalten“, wurden nach heutigen Erkenntnissen ausschließlich Prototypen hergestellt. Es kam nicht zum Serieneinsatz.

Beim Auskuppeln, -Hebel zur Betätigung der Welle am hinteren, unteren Teil des Sodengetriebes.

Getriebeschnitte des Sodengetriebes:

Querschnitt im Bereich der An- und Abtriebswelle, Blick von hinten

Waagerechter Schnitt in der Wellenebene, Blick von oben

Schnitt im Bereich der Gehäuseteilung durch die Getriebewellen, Blick von links

Nochmal der Blick von rechts auf das moderne Sodengetriebe, dass natürlich dem normalen KR III Getriebe sehr authentisch ähnelt, nur mit dem gravierenden Unterschied, dass es sich hier um ein halbautomatisches Getriebe handelt, bereits im Jahr 1924:

Diese einmaligen Informationen stammen aus dem Buch „Sodengetriebe der Firma ZF“ (Zahnradfabrik Friedrichshafen).

 

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