VICTORIA die ERSTE – K.R. I.
Als Dr.-Ing. Rudolf Ottenstein, der Sohn von Gründer Max Ottenstein in die Firma berufen wurde begann das neue Geschäftsfeld – der Motorradbau, welcher über die Kriegsjahre zurück gefahren wurde. Die Investitionen in Motorräder waren natürlich immens, deshalb kaufte man anfangs die Motoren zu. Die Motoren wurden bei den Bayrischen Motoren Werken (BMW) in München hergestellt, da nach dem Krieg die Flugzeugmotorenproduktion eingestellt werden musste. Der bei BMW beschäftigte Konstrukteur Martin Stolle befasste sich bereits mir Boxermotoren, der er selbst eine englische Douglas besaß und diese als Vorlage mir verbesserten Details z. B. einer Zahnrad-Ölpumpe versah. Die wesentlichste Verbesserung waren Kolben mit 68 mm bestehend aus einer hochwertigen Aluminium-Legierung. Der Hub war ebenfalls mit 68 mm kongruent mit dem Kolbendurchmesser. Die Motorbezeichnung – M2B15 – hatte der neue Motor mit einer Leistung von 6,5 PS (Bremsleistung) bei einer Motorendrehzahl von 3000x U/min. Diese Motoren bot man auch anderen Motorrad-Herstellern an, wie z.B. der Firma Helios. Die Victoria-Werke bauten die Motoren in ihre Fahrgestelle ein und die ersten Motorräder lieferte man gegen Ende des Jahres 1920 aus. Das Motorrad bekam die Bezeichnung K.R. I., das Kürzel steht für Krad, das Erste.
K.R. I.
Der Motor „M2B15“.
Mit Ventilsteuerung im Gehäusedeckel, sehr fortschrittlich, da später in den Folgemodellen die Ventile wieder offen lagen.
Das Zweiganggetriebe mit einer Konus-Kupplung und Riementriebscheibe über Keilriemen zum Hinterrad.
Bereits im Jahr 1921 konnte Martin Stolle, welcher selbst bei motorsportlichen Wettbewerben teilnahm, Erfolge für sich verbuchen. (Bild Verlag: Kleine/Vennekate – Thomas Reinwald)
Hier sieht man wohl eine der ältesten Victoria K.R. I. in der Restauration.

Die erste Ersatzteilliste der neuen Motorradproduktion ab 1920.
Der Hauptrahmen mit der Schaltkulisse oberhalb vom Benzintank.
Benzintank und Auspuff mit Zubehör usw.
Man beachte die sehr moderne mit Federn bestückte Vorderradgabel, welche eine Eigenentwicklung von Victoria war. Auch der Lenker, welcher dem Fahrer eine außerordentliche Sitzposition verleiht, ist beachtlich.
K.R. I. – Antriebsteile.
Gepäckträger, Sattel – und Zubehör.
Die Kotflügel sind sehr umfassend für die Räder, mit feiner Linierung.

Der Gepäckträger als Unterschub, abschließbar, mit Werkzeug.
Präsentationsfoto mit Martin Stolle in der Mitte am Lenker. (Bild: Verlag Kleine Vennekate – Thomas Reinwald).
Der Vergaser ist mit 2 Schiebern ausgelegt und die Ansaugluft wird über den hinteren Zylinder mit einem Ansaugstutzen vorgewärmt. (Motorrad-Legenden Matthias Murko).
Die per Handhebel betätigte Kupplungsbremse wirkt hinter der Riemenscheibe über Bowdenzug, Gelenk und Bandbremse auf die Kupplungsscheibe. Deutlich zu sehen ist die Keilklotzbremse in der Riemenfelge, welche über ein Gestänge zum Fußbremshebel führt.
K.R. I. – Motor.
Diese K.R. I., welche in der Motorradausstellung auf Schloss Augustusburg steht, war früher im Besitz von Otto Koch, stammend aus Gera. Im nächsten Bild ist Otto Koch zu sehen. Er war wohl zu DDR-Zeiten der größte Victoria Sammler im Osten. Er nannte viele Boxermodelle bis hin zur KR VII sein Eigen. Otto Koch verstarb im Jahr 1992.
Otto Koch, Gera.
Weitere Bilder von der Victoria K.R.I. – Otto Koch:





Noch ein letztes Bild von Otto Koch mit seiner Megola:
K.R. I. im PS-Speicher, Einbeck.

Das nächste Bild zeigt die K.R.I. bereits mit der im Jahr 1924 neu entwickelten Vordergabel der KR.III. Wahrscheinlich eines der letzten Modelle, welches von der K.R.I., von Victoria produziert wurde:
Hier nochmal mit K.R.III. Vordergabel:







































































































































































































































































Die ersten Anzeigen in den Fachzeitschriften erschienen logischerweise etwas später, aber verdeutlichten, dass Victoria gewillt war den Motorradbau voran zu treiben.
Das allererste Motorrad von Victoria.
Das erste Motorrad vom neuen Jahrhundert, welches noch vorhanden ist in diesem schönen Altzustand.
Der gut erhaltene Fafnir – Motor mit der Nummer 1896 in den Fafnirwerken in Aachen hergestellt und wurde von den Victoriawerken bevorzugt eingebaut. 

Das bekannteste Motorrad aus dem Jahr 1906 befindet sich im Museum für Industriekultur in Nürnberg, der Gründerstadt der Firma Victoria.
Die Restauration ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber in der Nähe von Berlin, in einem Museum steht auch noch ein Modell aus dieser Zeit.
Die originalen Teile wurden nach Angabe des Händlers als Victoria – Vorsteckwagen in Russland erworben und ihre Reise erfolgte über Polen nach Deutschland. Wer vermag zu behaupten, so ein Fahrzeug sei ein Modell aus einer anderen Republik oder gar ein Modell eines anderen Herstellers, der sollte den Beweis antreten, aber wie ? Da liegt ein gutes Jahrhundert dazwischen und diese Modelle ähnelten sich sehr. Allen Unkenrufen, die nach Fertigstellen des Victoria – Vorsteckwagens kamen, sei gesagt, dass der Erbauer hat nach besten Wissen und Gewissen gehandelt und mit dem Wagen ein zeitgemäßes Relikt im fahrbaren Zustand wieder Erstehen lies, zur Freude vieler Betrachter.
Teilweiser Zusammenbau des Vorsteckwagens mit Blick auf das erwähnte vorgelegte Zweigang – Planetengetriebe.






In der illustrierten Zeitschrift – Motorradfahrer von 1903 wurde der Fafnir Motor von 1904 vorgestellt :
Auch Minerva Motoren wurden von Victoria verwendet, dieser Motor stammt auch aus dem Jahr 1904.


„Kaiser-Franz Josef-Gedächtnisfahrt“ Bad Ischl 2018:
Vater mit Tochter:




In den letzten Jahren bis 1910 ist es dann still geworden mit der Motorradproduktion bei Victoria. Die richtige Massenproduktion begann dann erst wieder um 1920, bis dahin erhalten Sie aber noch viele Informationen im Fahrradbereich. Der nächste Bericht beginnt dann mit Katalog 1904 und Rädern aus dieser Zeit.



