1919 – Eine neue Ära beginnt mit dem Motorradbau nach dem ersten Weltkrieg…

VICTORIA die ERSTE – K.R. I.

Als Dr.-Ing. Rudolf Ottenstein, der Sohn von Gründer Max Ottenstein in die Firma berufen wurde begann das neue Geschäftsfeld – der Motorradbau, welcher über die Kriegsjahre zurück gefahren wurde. Die Investitionen in Motorräder waren natürlich immens, deshalb kaufte man anfangs die Motoren zu. Die Motoren wurden bei den Bayrischen Motoren Werken (BMW) in München hergestellt, da nach dem Krieg die Flugzeugmotorenproduktion eingestellt werden musste. Der bei BMW beschäftigte Konstrukteur Martin Stolle befasste sich bereits mir Boxermotoren, der er selbst eine englische Douglas besaß und diese als Vorlage mir verbesserten Details z. B. einer Zahnrad-Ölpumpe versah. Die wesentlichste Verbesserung waren Kolben mit 68 mm bestehend aus einer hochwertigen Aluminium-Legierung. Der Hub war ebenfalls mit 68 mm kongruent mit dem Kolbendurchmesser. Die Motorbezeichnung – M2B15 – hatte der neue Motor mit einer Leistung von 6,5 PS (Bremsleistung) bei einer Motorendrehzahl von 3000x U/min. Diese Motoren bot man auch anderen Motorrad-Herstellern an, wie z.B. der Firma Helios. Die Victoria-Werke bauten die Motoren in ihre Fahrgestelle ein und die ersten Motorräder lieferte man gegen Ende des Jahres 1920 aus. Das Motorrad bekam die Bezeichnung K.R. I., das Kürzel steht für Krad, das Erste.

K.R. I.

Der Motor „M2B15“.

Mit Ventilsteuerung im Gehäusedeckel, sehr fortschrittlich, da später in den Folgemodellen die Ventile wieder offen lagen.

Das Zweiganggetriebe mit einer Konus-Kupplung und Riementriebscheibe über Keilriemen zum Hinterrad.

Bereits im Jahr 1921 konnte Martin Stolle, welcher selbst bei motorsportlichen Wettbewerben teilnahm, Erfolge für sich verbuchen.


Hier sieht man wohl eine der ältesten Victoria K.R. I. in der Restauration.

Die erste Ersatzteilliste der neuen Motorradproduktion ab 1920.

Der Hauptrahmen mit der Schaltkulisse oberhalb vom Benzintank.

Benzintank und Auspuff mit Zubehör usw.

Man beachte die sehr moderne mit Federn bestückte Vorderradgabel, welche eine Eigenentwicklung von Victoria war. Auch der Lenker, welcher dem Fahrer eine außerordentliche Sitzposition verleiht, ist beachtlich.

K.R. I. – Antriebsteile.

Gepäckträger, Sattel – und Zubehör.

Die Kotflügel sind sehr umfassend für die Räder, mit feiner Linierung.

Der Gepäckträger als Unterschub, abschließbar, mit Werkzeug.

Präsentationsfoto mit Martin Stolle in der Mitte am Lenker.

Der Vergaser ist mit 2 Schiebern ausgelegt und die Ansaugluft wird über den hinteren Zylinder mit einem Ansaugstutzen vorgewärmt.

Die per Handhebel betätigte Kupplungsbremse wirkt hinter der Riemenscheibe über Bowdenzug, Gelenk und Bandbremse auf die Kupplungsscheibe. Deutlich zu sehen ist die Keilklotzbremse in der Riemenfelge, welche über ein Gestänge zum Fußbremshebel führt.

K.R. I. – Motor.

Diese K.R. I., welche in der Motorradausstellung auf Schloss Augustusburg steht, war früher im Besitz von Otto Koch, stammend aus Gera. Im nächsten Bild ist Otto Koch zu sehen. Er war wohl zu DDR-Zeiten der größte Victoria Sammler im Osten. Er nannte viele Boxermodelle bis hin zur KR VII sein Eigen. Otto Koch verstarb im Jahr 1992.

Otto Koch, Gera.

K.R. I. im PS-Speicher, Einbeck.


Es folgen noch einige historische Aufnahmen:

Die nächsten beiden Bilder zeigen die K.R.I. bereits mit der 1924 neu von Victoria entwickelten Vordergabel. Wahrscheinlich die letzten Modelle von der K.R.I., welche dann nicht mehr produziert wurde.

 

1916 – ein Rückblick auf 30 Jahre Victoria und 99 Jahre Fahrradentwicklung …

Als am 12. Juni 1817 der badische Staatsbeamte und Erfinder Karl Friedrich Freiherr von Drais mit seiner Laufmaschine von seinem Wohnort
Mannheim zum Schwetzinger Relaishaus fährt, bedeutet das den Beginn einer neuen Mobilität. Drais benötigt für die Hin- und Rückfahrt auf dieser Kunststraße (ca. 15 km) eine knappe Stunde, ein Viertel der damals für Postkutschen üblichen Zeit. Die Zweiradfahrt gilt als Sensation – bis dahin reiste man zu Fuß oder per Pferdekutsche – und wird europaweit in den Zeitungen verbreitet.
Karl Friedrich Freiherr von Drais.

Der Laufradfahrer.

Laufrad ca. 1820 vermutlich Österreich, Bild Deutsches Fahrradmuseum.

Zwei Laufmaschinen, man sieht die unterschiedliche Bauweise und erkennt, dass damals die Einzelanfertigung maßgebend war, von einer Serienproduktion noch weit entfernt.

Das Tretkurbelvelociped

Balancieren und Pedalieren – ist Radfahren!

Der Wagenschmied Pierre Michaux ist wohl der erste Hersteller, der sei den 1960er Jahren die neuen  Tretkurbelvelocipede in Paris auf den Markt bringt.

Das Pariser Publikum sammelt in den 1860er Jahren beim modischen Rollschuhlaufen Erfahrungen im Balancieren. Auf den neuen befestigten Boulevards in Paris tauchen in dieser Zeit wieder einspurige Zweiräder auf, diesmal mir Tretkurbelantrieb und das 50 Jahre nach der Laufmaschine.

Von den 1860er Jahren ist es nun nicht mehr weit bis zum Hochradbau. 1869 entstand das erste Hochrad in Frankreich. Ab den 1870er Jahren begann der Hochradbau rasant, vorwiegend in England, da der deutsch – französische Krieg mit seiner Wirtschaftskrise im Schlepptau hinderlich war. Nach der Erfindung des Tretkurbelrades haben damit zum ersten Mal Menschen beim Radfahren die Füße vom Boden gelöst. Die weitere Optimierung der Tretkurbelräder mit Drahtspeichen, Stahlfelgen und Vollgummibereifung führten zum Hochrad. Diese Technik verbreitete sich sehr schnell auch über Landesgrenzen und in England wurden frühzeitig Hochräder industriell gefertigt. Der bekannteste Engländer im Hochradbau war James Starley mit seinem Hochrad namens „Ariel“. Viele der folgenden Hersteller kopierten die Hochräder und bedienten sich durch Zukäufe von Teilen, um eigene Hochräder zu bauen.

Die Firmengründer von Victoria Max Frankenburger & Max Ottenstein nahmen jede Gelegenheit wahr, sich ebenfalls Inspiration und Wissen über den Hochradbau einzuholen, um 1886 eine eigene Produktion aufzunehmen. Die Montage begann in Nürnberg – Gleishammer in eigenen Räumen.

Der Firmengründer Max Ottenstein (1860-1947).

Max Ottenstein mit Familie.

Max Ottenstein war der eigentliche Gründer von Victoria.  Später kam der Kaufmann Max Frankenburger als Teilhaber zur Firma, welcher eigenes Kapital einbrachte. Die Geldsorgen waren in den Anfangsjahren immer das bestimmende Thema. Die Räume waren zu klein und ein Neubau musste her, um die gute Auftragslage abzuarbeiten.

Im folgenden Bild sieht man bereits die stark vergrößerte Anzahl der Mitarbeiter, welche am den neuen Betriebsräumen fotografiert wurden.

1893

Nicht mehr vergleichbar mit der Manufaktur, wie vor einiger Zeit :

Von der Manufaktur zur Fabrikation

Von der Kleinstmanufaktur bis zur großen Fabrikation war nur ein kurzer Weg. Mit ca. 20 Mechanikern begonnen, wurden im Jahr 1888 schon 150 Arbeiter gebraucht. Vor 1890 baute man bereits mehrere Tausend Maschinen und war auf vollem Expansionskurs. Die Fabrikation platzte aus allen Nähten und man sah sich nach einem größeren Grundstück um. Die Firmengründer fanden in der Ludwig-Feuerbach-Straße das passende Grundstück und errichteten neue Gebäude.

Im Jahr 1895 wandelte man die Frankenburger & Ottenstein OHG in die Victoria-Fahrradwerke AG um. Das Stammkapital betrug 1,25 Millionen Mark. Im Nachgang wurde dann die Firmenbezeichnung in Victoria-Werke AG umgewandelt. Mit der Steigerung der produzierten Räder änderte man auch die Bezeichnung der Räder. Man nahm anstatt der anfänglich eingeführten Buchstaben nun ein Zahlensystem.

Nachfolgend die Umfirmierungen:

 

Der Stand mit den Fahrrädern von 1896 auf der Bayrischen Landesausstellung in Nürnberg.

Am 5. Juni 1898 besuchte der bayrische Prinzregent Luitpold (Mitte) die Victoria-Werke AG. Auf seiner linken Seite sieht man Max Frankenburger, auf seiner rechten Seite steht Max Ottenstein:

Vom Jahr 1886 bis zum Jahr 1898 produzierte Räder im Kurzüberblick:

Das neue Jahrhundert brachte auch für die Victoria-Werke AG neue Herausforderungen. Getrieben von der Konkurrenz fertigte man die ersten Motorräder und Autos bis zum Jahr 1912. Anschließend nochmal ein paar Bilder der Entwicklung:

 

Diese Entwicklung der Zwei, Drei- und Vierrädrigen motorisierten Gefährte trat dann ins Hintertreffen, da größter Absatz für die angehende Kriegsproduktion benötigt wurde. Die Motorradproduktion blühte erst nach dem Krieg wieder auf, also in den 20iger Jahren. Dazu später mehr…


Victoria – Fahrradzubehör – die Öl, Kerzen- Karbidlampen

Anschließend wird ein Auszug aus dem Zubehörkatalog der Victoria Werke A.G. vorgestellt. Die Victoria Lichtanlagen wurden zugekauft, also nicht bei Victoria hergestellt. Der Hersteller war :

Der Zubehörkatalog der Victoria Werke A.G.:




Man beachte die Säbel, bzw. Gewehrhalter !

Verschiedene Brenner für die Laternen…

Den Carbid sollte man nicht vergessen + Wasser und das Licht ist perfekt.

Die Fahrraduhr sollte unbedingt beachtet werden, vor allem der Preis, mit gerade mal 6.- Mark, wäre es heute das absolute Schnäppchen.

 

Der Katalog von 1915, 28 Jahre Victoriarad zur Zufriedenheit von hunderttausenden Besitzern

Hier das elegante englische Modell mit der über Stangen übertragenen Bremsleistung, endend mit einer Bowdenbremse am Rad.

Die schematische Darstellung der Bremse.

Das Originalmodell mit der außergewöhnlichen Bremse, deutlich zu sehen.

Es folgen eine beliebte Anzahl von Transport – und Geschäftsrädern :

Das nächste Bild zeigt zwei, mit Victoria Rädern bewaffnete Soldaten, aus dem ersten Weltkrieg ( Bild Klaus Bächer / Victoria IG ).:


Die Fahrräder und Fahrzeuge aus Katalog 1910

Eine Vielzahl von Fahrrädern wurde im Katalog von 1910 vorgestellt, die folgenden Räder wurden ab 1908 hergestellt :


Victoria 0 – Kräftiges Herrenrad mit 15kg Gewicht, gab es auch als Knabenrad.

Victoria 00 – Solides Damenrad mit 14,5kg Gewicht, auch als Mädchenrad.

Victoria 6 – Elegantes Tourenrad.

Victoria 4 – Extra leichter Halbrenner mit 11,5kg Gewicht. Man beachte das vergrößerte Kettenblatt.

Victoria 3 – Extra leichtes Tourenrad.

Victoria 2 – Luxus – Tourenrad.

Victoria 1 – Leichter Renner, genannt „Flieger“ aus dem Jahr 1909.

Victoria 9 – Feines Damenrad vom März 1909. Schöner Celluloid Kettenschutz.

Victoria 7 – Luxus – Damenrad. Mit geschlossenen Kettenschutz.

Victoria 10 – Militärrad mit 15,5kg Gewicht und der übliche Ausstattung.

Im Jahre 1908 wurden über 1200 Militärräder an die deutsche Armee ausgeliefert !

Victoria EH – Feines englisches Tourenrad.

Hier ein hochfeines englisches Fahrrad im Originalzustand. Diese Räder wurden ab 1909 gebaut und waren bis Ende der Zwanziger Jahre im Programm. Man beachte die Stangen zur Hinterradbremse nach System „Bowden“.

Victoria ER – Feiner englischer Halbrenner mit 13kg.

Victoria ED – Feines englisches Damenrad aus dem Jahr 1909.

Hier 2 Bilder eines solchen Rades im Originalzustand. Die englische Form wurde, wie es schon aussagt, den englischen Räder in Stil und Form nach empfunden. Man sieht auch die Bremsstangen zur Übertragung der Bremswirkung sehr deutlich, welche durch ein Bowdensystem am Rad die Geschwindigkeit verzögern.

Victoria S – Saalfahrmaschine, genau nach den Vorschriften des D.R.B.Darstellung der einzelnen Teile der Räder auf 2 Tafeln.

Die nächsten Bilder zeigen eine Vielzahl von Geschäftsrädern, welche in dieser Zeit sich großer Beliebtheit erfreuten. Sie lagen in einer Preisspanne von Mk. 160 – Mk. 360.

Victoria 12 – Geschäftszweirad.

Victoria 13 – Transport – Dreirad. Kasten vor dem Sitz für leichte Lasten.

Victoria 15 – Transport – Dreirad mit Kasten. Wenn man den Werbeschriftzug folgt, weiß man, wo die Firma Victoria so überall hin geliefert hat.

Victoria 19 – Transport – Dreirad für die Gewehrfabrik Spandau.

Victoria 20 – Transport – Dreirad für die Betriebseigene Fiale in Berlin.

Victoria – Modell 1910. Auf Anforderung konnte man einen speziellen Katalog für Motorräder anfordern. Leider ist bis heute keiner aufgetaucht.

Victoria – Motor – Gepäckwagen.

  • Gepresster Stahlrahmen
  • Zweizylinder, ca. 8-10 PS vertikaler Benzinmotor, Wasserkühler, Spritzvergaser.
  • Staubdichter Kardanantrieb.
  • Wechselgetriebe 3 Geschwindigkeiten vorwärts und Rückwärtsgang.
  • eine Fußbremse und ein paar Handhebel Innenbremsen.
  • Lenkung von der Steuersäule mit Drossel und Zündhebel.
  • Laufräder aus Holz mit Stahlfelge 710×90 mm.
  • Geschwindigkeit 35km/h auf ebener trockener Straße.
  • Benzinvorrat 35 Liter.
  • Tragfähigkeit max. 350 – 400 Kilo.

Auch für die Victoria Autos konnte man einen gesonderten Katalog anfordern. Es ist auch leider keiner bekannt.

Schon wieder 10 Jahre im 19. Jahrhundert, man stellt den Katalog 1910 vor…

Das Titelblatt eines sehr interessanten Kataloges (aufgefunden: 2015),  in dem auch erstmals die Betriebsräume der Firma Victoria dargestellt wurden. Diese sind auf den folgenden Bildern zu sehen:

Das Maschinenhaus mit den hohen Fenstern und dem mächtigen Rad Compound–Dampfmaschine.
Die Stanzerei mit Stanzmaschinen von 1000 – 100000 kg.

Ein ganzes Heer von Fräsmaschinen, welche bereits automatisiert arbeiten, verrichten hier ächzend und stöhnend ihren Dienst. Die einen fräsen Kurbeln, die anderen Kugelköpfe, die dritten Verbindungsstücke usw. Neben den Fräsmaschinen stehen hier Automaten. Hier werden gezogene Stahlstangen der verschiedensten Stärken, bis zu 60 mm Durchmesser und 6m Länge automatisch zu Naben, Schalen, Konen, Pedalglocken, Schlüsselmuttern, Bremsführungen, Pedalachsen usw. verarbeitet. Ein Arbeiter bediente 4 – 6 Maschinen.

Von der Dampfmaschine wird vermittelst über viele starke Seile eine im Nebenraum befindliche Königswelle angetrieben. Die wiederum eine Menge an Zwischentransmissionen bedient und über 300 Arbeitsmaschinen in Bewegung hält. Die Königswelle setzt den großen Lichtdynamo für die Lichterzeugung, sowie weitere Hilfsmaschinen und Elektromotore in Bewegung.

Die Dreherei wurde auch über die Transmission mit ihren surrenden Riemen angetrieben.

Eine eigene Abteilung, deckt den Bedarf des Werkes an Werkzeugen aller Art, wie Fräser Rundmesser, Spezialbohrer, Schnitte usw. Es klingt fast unglaublich, dass so ein Werk für ca. 30000 Mark im Jahr Werkzeuge verbraucht. Ein ganz besonderes Augenmerk wird auf den Original-Leeren, Schablonen und Vorrichtungen aller Art zugewendet, welche eine lange  unübersehbare Reihe von Wandschränken füllen. Mit Hilfe dieser kostbaren Einrichtungen wird es erst möglich, Genauigkeiten bis 1/1000 mm zu erzielen, wie es die moderne, nach dem austauschbaren System arbeitende Technik erfordert.

In der Vernicklung stehen in langen Reihen die Nickelbäder mit je 1000-1500 Liter Inhalt. Nach einer äußert sorgfältigen Entfettung der Oberfläche verbleiben die zu vernickelnden Teile je nach Verwendungszweck 3 Stunden in den Bädern, wo sie jene blendend weiße  Oberfläche erhalten, welche an den Victoria Rädern so geschätzt wird. Einen Begriff von der Größe der Anlageerhält man durcheinen Blick auf den Strommesser, welcher 700 Ampere anzeigt.

Hier ein Blick in die Radspannerei der Victoria-Werke.

Einer außergewöhnlich sorgfältigen Prüfung wird jedes einzelne Vorder- und Hinterrad unterzogen, indem es abwechselnd auf beiden Seiten mit 9 (neun) Zentnern belastet wird. Naben und Lager müssen Laufproben bis zu 10000 km machen, bei 100kg Belastung und 50 Stundenkilometer.

Montage der Victoria Räder in einer gut lichtdurchfluteten Halle.

Sehr großer Wert wurde bei Victoria auf die Emailierung, heute sagt man Lackierung, gelegt. Sehr bedeutsam für die Qualität ist die Fernhaltung von Staub und Schmutz. Um dies alles zu erreichen, wird die Luft in einen Waschturm mit Wasser gereinigt und erst dann in die Räume gepresst. Selbst Wände und Decken wurden  mit Wasser abgespritzt und hierdurch jeder Staub fern gehalten. Durch diese sinnreichen Einrichtungen wurde eine tiefschwarze Emaille von ganz außerordentlichen Glanz und größter Haltbarkeit erzielt.

Zum Schluss noch einen Blick in die Magazine, Montage und Lagerräume. Es sind zum Teil riesige Räume, in welchen die fertigen Teile aufgestapelt wurden.

Originaltext aus dem Katalog 1910 :

Nach Weihnachten beginnt hier ein Leben wie in einem Bienenhaus, ein Hasten und Drängen, dass es fast scheint, es gäbe nichts wichtigeres, als die Welt mit Rädern zu versorgen. Kommt man dagegen im Sommer in dieselben Räume, so sind sie wieder völlig leer. In alle Winde sind die vielen Tausende von Fahrrädern hinausgeflogen, nach dem heißen Süden, nach den kalten Norden, nach Oste und Westen, denn in allen Ländern – überall wo die Kultur zum Fahren geeignete Wege geschaffen hat, fährt man mit Vorliebe „Victoria Räder“.


 

 

Victoria Autos ab 1905 – eine kurze Reise auf 4 Rädern

Die Firma Victoria, dass sollte nicht unerwähnt bleiben, hat ab 1905 einige Jahre auch Automobile gefertigt. Die 4 verschiedenen Modell in S/W entstammen der Quelle: Podszun / Reinwald.

Das erste Modell wurde im Volksmund „Doktors Cabriolet“ genannt. Es entstand 1905. Mit gerade mal 5PS und einem Wasserkühler konnte man wahrscheinlich als Zweisitzer keine üppigen Geschwindigkeiten erreichen. Die Victoria Automobile konstruierte Max Bauer, der als Oberingenieur nur einige Jahre bei Victoria war.

Hier sieht man ein Gefährt mit einem Transportkasten. Das Transportgut wurde geschützt, wobei der Fahrer das Nachsehen hatte und voll der Witterung ausgesetzt war. Im oberen Dachgarten kann man das erstmals verwendete „VW“ Zeichen erkennen.

Dieser Wagen wurde für 3300 Mark damals angeboten, trotz des günstigen Preises im Vergleich zum Motorrad, konnten sich so ein Fahrzeug nur sehr begüterte Menschen leisten.

Hier eine sechssitzige Limousine ,wohl das teuerste Modell mit 13500 Mark. Die Konstruktion stammt aus dem Jahr 1908 und war mit einem Vierzylindermotor , der 18PS leistete, ausgestattet. Die Autoproduktion währte noch bis 1912. Man stellte die Produktion aus Platzgründen ein, aber wahrscheinlicher fanden die Besitzer die Produktion von Autos nicht lukrativ genug.

Bis in die Fünfziger Jahre hat man bei Victoria keine Autos mehr gebaut. Dann hatte man den Kleinwagen „Spatz“ eingeführt, der aber auch nicht der Renner war. Bei Victoria hatte man mit den 4- rädrigen nicht sehr viel Glück.

Hier nochmal ein Bild vom „Doktorwagen“, welcher im Museum für Industriekultur in Nürnberg steht.

Ein originales von den Victoria-Werken, wo auch die Automobile gefertigt wurden.

Nachfolgend die Autos, welche im Fahrradkatalog von 1910 vorgestellt wurden :

Victoria – Fahrräder von 1904 bis 1910 technische Daten und Zubehör der Räder.

Der Rahmen der Victoria-Räder zeichnet sich durch sehr schlanke, solide Bauart aus, zu demselben werden nahtlose Rohre aus bestem schwedischen Holzkohlenstahl verwendet, welsche mittelst Innenlötung verbunden sind.

Außer den seither üblichen und allgemein bekannten Belastungsproben  unterzieht Victoria die Rahmen auch unter großen Belastungen, wie auf den Bildern zu sehen ist.

Einmal oben mit 500 kg in Kettenrichtung, bzw. mit 500 kg in Vertikalrichtung.

Mit 140 kg – senkrecht zur Gabel.

In der Galerie sieht man einige elegante Räder aus der Zeit von 1904-1910 aus dem Fahrradkatalog von Victoria.

In der nächsten Galerie sind die verschiedenen Formen der Lenkstangen abgebildet.

Im Bereich der neu entwickelten Pedalen für die Victoria Räder, konnten sämtliche Teile ausgewechselt werden. Diese waren nicht mit billigen Fabrikaten vergleichbar, die denen Achse und Konus aus einem Stück hergestellt ist.

Die Pedalen waren 1904 noch nicht gelabelt. In den nächsten Jahren hat man dann das Zeichen „VW“ – Victoria Werke auf den Pedalen aufgebracht.

Originale Victoria – Pedale mit dem Label „VW“ – Victoria – Werke.

In dieser Zeit hat man auch das Steuerkopfzeichen geändert. Das neue Zeichen blieb dann viele Jahre dominant und wurde auch auf den Motorrädern als Steuerkopfzeichen, sowie als Tankembleme verwendet.

Mit dem neuen Zeichen gab es auch erste Werbemittel, wie Glas- und Zelluloidschilder, im folgenden zu sehen:

Am Oberrohr der Räder hat man den Schriftzug „Victoria“ sehr filigran, etwas erhaben, aufgenickelt.

 

Am Sattelrohr gab es die ersten Aufkleber, welche bis in die „Fünfziger Jahre“ Verwendung fanden.

Das oben abgebildete Victoria Fahrrad stammt vom Jahr 1908 und hat die fortlaufende Nummer : 224016. Es war mit einem Doppelglockenlager, großgelocht versehen. Diese Lager für den Pedaltrieb waren zu dieser Zeit noch nicht mit „VW“ gelabelt.

Im Jahr 1906 fand fand die Bayrische Landesausstellung statt und Victoria präsentierte sich mit einen monumentalen Messestand. Da kann man erkennen, welche Bedeutung der Fahrradproduktion beigemessen wurde, welche ja die tragende Säule der Firma war.

Originales Herrenrad aus dem Jahr 1907 :

Originales Damenrad aus dem Jahr 1907, man beachte den originalen Zelluloid – Kettenschutz am Rad :

Hier nochmal als Pärchen aus dem gleichen Jahr 1907 :

Die folgende Aufnahme entstand im Jahr 2017, am Drais – Gedenkstein in Radebeul, anlässlich des Radtreffens zum 200. Geburtstag des Fahrrades. Der damals noch amtierende Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Gert Reiher ist vor einem Rad von 1907 zu sehen:

 

Im Anschluss noch einige originale Fotos 1904 – 1910 :

 

Victoria Fahrradkatalog 1904 – Vorstellung der ersten modernen Fahrradnaben

Hier die Titelseite des Kataloges von 1904.

Im Jahr 1904 hat man bei Victoria die ersten Markenbezeichnungen, wie hier die Marke “ Preciosa“ vorgestellt. Die Marke wird Victoria weitere Jahre begleiten. Im Anschluss Das Herren- und Damenrad aus dieser Zeit.
Victoria – Fahrradnaben

Die Starrnabe –

Die sogenannte Starr-Nabe war die Grundlage des drehenden Rades, beginnend vom Hochrad über die Niederräder. Die Kugellager waren mit Schalen und Konen versehen, worin die Kugeln im Dreipunktsystem liefen. Die Teile waren aus bestem Material und tadelloser Härte. In einer eigenen Prüfwerkstatt wurden die Teile getestet. Dabei wurde eine Wegstrecke von bis zu 4000 Kilometer mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h mit einer Belastung von 120 Pfund simuliert.

Vorderradnabe

Hinterradnabe

Freilaufnabe –

Eine sensationelle Weiterentwicklung zum Anfang des 20. Jahrhunderts war der Victoria-Freilauf-Zahnkranz, welcher einen spielend leichten Lauf hatte. Dieser Freilauf in Verbindung mit einer Bremse, dem System Bowden, ermöglichte dem Radfahrer einen nie dagewesenen Komfort. Er konnte die Füße auf den Pedalen ruhen lassen, ohne  waghalsige Manöver während der Talfahrt veranstalten zu müssen, um wieder Tritt zu fassen.

Victoria – Freilaufnabe

Bremse über System – Bowden

Freilaufnabe mit integrierter Rücktrittbremse –

Der Amerikaner A.P. Morrow erfand 1898 diese Freilaufnabe und ließ diese auch 1898 patentieren. Victoria hat 1901 derartige Naben zugekauft und in die Räder eingebaut.

Freilaufnabe mit Rücktrittbremse System Morrow

Die Deutsche Firma Fichtel & Sachs, hat etwas weitversetzt, ebenfalls eine Freilaufnabe mit Rücktrittbremse auf den Markt gebracht, welche mit der Morrow-Freilaufnabe identisch war.

Fichtel & Sachs Freilaufnabe mit Rücktrittbremse

Hier nochmal die Morrow Nabe im Original :

Die Entwicklung der Naben ging rasant weiter und bereits 1903 war eine moderne Morrow-Freilaufnabe mit Rücktrittbremse auf dem Markt, sowie auch von Fichtel & Sachs, welche von Victoria eingebaut wurde. Diese Nabe ist im Fahrradkatalog von 1904 dokumentiert und mit dem Deutschen Reichspatent versehen. Die Fichtel & Sachs Nabe wurde unter dem Markennamen “ Torpedo“ auf den Markt gebracht.

Eine weitere revolutionäre Erfindung geht auf die Wanderer Werke zurück, die Freilaufnabe mit doppelter, während der Fahrt veränderbarer Übersetzung. Über einen Hebel an der Lenkstange werden die Übersetzungen in der Nabe und der Leerlauf geregelt.

Bei Victoria versorgte man sich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mit zugekauften Naben. Durch die Herstellung der Fichtel & Sachs Naben in sehr großen Stückzahlen konnten diese recht günstig angeboten werden und wirkten sich natürlich auch günstig auf den Fahrradpreis aus. Es erfolgte auch ein Einsatz von Doppel-Torpedo-Naben, also Naben mit Weiterer Übersetzung.

Im Jahr 1918 entwickelte Victoria eine eigene Freilaufnabe mit Rücktrittbremse.

Reichspatentschriftnummer : 341774. Anmeldedatum : 25.11.1919. veröffentlicht: 07.10.1921. “ Der Erfindungszweck besteht darin, den Bremsschluss von Freilaufnaben in ein unveränderliches Abhängigkeitsverhältnis zur Rückwärtsdrehung der Tretkurbel zu bringen. Bei anderen Systemen besteht nur ein allmähliches aber kein sofortiges Eingreifen des Sperrkörpers durch Kraftschluss, und es entsteht ein Rückwärtstreten“.

Die Victoria Freilaufnabe erfüllt damit die Hauptanforderung einer guten Freilaufnabe : Zuverlässige Bremswirkung. Der Bremsmantel ist „aus dem Vollen gezogen“, also aus massiven Messing.

Im Katalog von 1904 wurden auch erstmals Victoria Kardanräder vorgestellt, sogenannte kettenlose Fahrräder :

Hier noch einige interessante Fahrzeuge auszugsweise :

Auch eines der ersten motorgetriebenen Fahrzeuge sind beworben wurden :

Einige authentische Fotos aus der Jahrhundertwende :

1901 Das Jahr, als man bei Victoria das erste Motorrad baute und somit eine neue Ära begann…

In diesem Beitrag wird der Motorradbau von 1900 – 1908 in groben Zügen beschrieben. Die ausführliche Beschreibung dieser Epoche findet Ihr im Victoria  Buch der der Victoria IG, ( Victoria-ig.de ).
Die ersten Anzeigen in den Fachzeitschriften erschienen logischerweise etwas später, aber verdeutlichten, dass Victoria gewillt war den Motorradbau voran zu treiben.

Das allererste Motorrad von Victoria.

Das erste Motorrad vom neuen Jahrhundert, welches noch vorhanden ist in diesem schönen Altzustand.

Der gut erhaltene Fafnir – Motor mit der Nummer 1896 in den Fafnirwerken in Aachen hergestellt und  wurde von den Victoriawerken bevorzugt eingebaut. 


Das bekannteste Motorrad aus dem Jahr 1906 befindet sich im Museum für Industriekultur in Nürnberg, der Gründerstadt der Firma Victoria.Die Restauration ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber in der Nähe von Berlin, in einem Museum steht auch noch ein Modell aus dieser Zeit.

Ab 1904 wurden die ersten Dreiräder, die sogenannten Vorsteckwagen (der Vorläufer des heutigen Seitenwagens), bei Victoria hergestellt. Im Anschluss ist eine Entwurfszeichnung dieses  Gefährtes zu sehen.

Im Jahr 1994 tauchten über einen Händler originale Teile eines solchen Dreirades auf, welche aus nach dessen Informationen aus Russland stammten. Vorhanden waren der originale Rahmen mit der Nummer „200“, sowie der Fafnir Motor inkl. Vergaser und Zündmagnet. Ein Rad und die seltene Hinterrad – Außenbandbremse, sowie der Lenker, waren auch dabei. Das seltenste Originalteil war das Zweiganggetriebe, welches vor dem Motor sitzt. So ein Getriebe ist eine absolute Seltenheit. (Planetengetriebe). Alle Komponenten passten perfekt zusammen. Das gesamte Vorsteckteil mit Korb und der äußere Rahmen fehlten natürlich.

Die originalen Teile wurden nach Angabe des Händlers als Victoria – Vorsteckwagen in Russland erworben und ihre Reise erfolgte über Polen nach Deutschland. Wer vermag zu behaupten, so ein Fahrzeug sei ein Modell aus einer anderen Republik oder gar ein Modell eines anderen Herstellers, der sollte den Beweis antreten, aber wie ? Da liegt ein gutes Jahrhundert dazwischen und diese Modelle ähnelten sich sehr. Allen Unkenrufen, die nach Fertigstellen des Victoria – Vorsteckwagens kamen, sei gesagt, dass der Erbauer hat nach besten Wissen und Gewissen gehandelt und mit dem Wagen ein zeitgemäßes Relikt im fahrbaren Zustand wieder Erstehen lies, zur Freude vieler Betrachter.

Teilweiser Zusammenbau des Vorsteckwagens mit Blick auf das erwähnte vorgelegte Zweigang – Planetengetriebe.

Hier einige Prospekte und Bilder :

In der illustrierten Zeitschrift – Motorradfahrer von 1903 wurde der Fafnir Motor von 1904 vorgestellt :


Auch Minerva Motoren wurden von Victoria verwendet, dieser Motor stammt auch aus dem Jahr 1904.

Es folgen einige Bilder vom Nachbau Victoria – Vorsteckwagen.

Zum 125 jährigen Bestehen der Victoria – Werke wurde auch ein detailgetreuer Nachbau einer Victoria von 1906 mit einem Zweizylinder – Zedelmotor  präsentiert.

Da schraubt auch einer an einer Uralt – Victoria

In den letzten Jahren bis 1910 ist es dann still geworden mit der Motorradproduktion bei Victoria. Die richtige Massenproduktion begann dann erst wieder um 1920, bis dahin erhalten Sie aber noch viele Informationen im Fahrradbereich. Der nächste Bericht beginnt dann mit Katalog 1904 und Rädern aus dieser Zeit.

Der Motorradbau währte aber bis zum Jahr 1910, denn im Fahrradkatalog von 1910 stellte man das letzte Modell vor :

Originalbilder aus dieser Zeit sind sehr rar…