Vo-Kri-Ma, Vorkriegsteilemarkt und Victoria-Teile

Man sehe und staune, gestern auf dem einzigen Vorkriegsteilemarkt in Deutschland im schönen Vogtland in Oelsnitz gab es auch seltene Victoria-Teile. Der Markt war gut gefüllt mit der einschlägigen Händlerschafft die so einen ausgefallenen Markt repräsentieren. Mal keine Teile oder Fahrzeuge ab den Fünfziger Jahren oder gar die Übermacht der Simson-Gemeinde. Das soll keine Abwertung sein, aber alles hat eben seinen Platz. Der allgemeine Tenor war, das man doch diesen Markt unterstützen muss, es wäre schade wenn er auch noch wegen geringer Teilnahme nicht mehr stattfindet. Ungeachtet vom Kommerz der großen Märkte geht der Dank an den Veranstalter Kevin Rannacher und wir hoffen auf noch viele Teilemärkte. P.S. ein bisschen Stolz empfinde ich auch dabei, da ich vor fast 20 Jahren diesen Vorkriegsteilemarkt in Treuen/Vogtland ins Leben gerufen habe.

Aber nun genug der vielen Worte, lasst die Bilder sprechen:

Ein Victoria KR VI A Tank im O-Zustand.

In der Kiste Vergaser Bergmeister (30er Jahre) und Zubehör.

Kotflügel der K.R.I., bekommt man auch nicht aller Tage…

Die dazu gehörige Gepäckträgerbrücke mit Werkzeugfach.

Der Rahmen einer 200er Baujahr 1938.

Das Typenschild…

Mein Nachbar-Händler aus Reichenbach.

Der gut beleibte ist auch vielen aus der Victoria/ BMW-Szene bekannt…

Was die beiden wohl aushandeln ?

Unser eher bescheidener Bauchladen mit strenger Bewachung von Günter Brattke…

Huii, der 6A-Tank hat auch schon den Besitzer gewechselt…

Einige Motorräder:

Aus meiner Sicht das schönste Motorrad vom Markt, eine 600er Douglas im Traumzustand.

Der Rudge-Eintopf ist auch nicht von schlechten Eltern, ja wer die Engländer liebt…

Auch deutsche Fabrikate mussten nicht nachstehen. Vorn eine NSU 502T Sport und dahinter eine BMW R42.

Die 350er Diamant mit dem schönen Kühne-Motor aus Dresden.

Glaube, die DKW hat auch den Besitzer gewechselt…

So ein großes Wanderer-Getriebe sieht man auch selten…

Die Freunde aus dem Norden waren auch gekommen…

Die Fahrradleute kamen auch nicht zu kurz…

Auch interessant – nicht Terrot, sondern „Therond“ !

Riesen Stand, alles rund ums Fahrrad mit Ivan Sojc vom „Deutschen Fahrradmuseum“ Bad Brückenau.

Natürlich – Teile, Teile, Teile…

Ich denke die Veranstaltung war absolut gelungen und wir freuen uns schon auf den nächsten Vo-Kri-Ma, ein Jahr ist schnell vorbei. Bis dahin Viele Grüße an Euch, die meine Seite lesen und sich mit unserem rostigen Hobby beschäftigen.

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Victoria – Emailleschilder…

In diesem Beitrag stellen wir die bekanntesten, oder für manchen auch unbekannte Emailschilder der Firma Victoria vor.

Das erste Bild zeigt wohl eines der ältesten bekannten Emailschilder um die Jahrhundertwende des 18. zum 19. Jahrhundert, noch mit „Victoria-Werke A.-G. Nürnberg gelabelt:

Zu dieser Zeit hatte Victoria zu Werbezwecken auch bereits die ersten Anstecknadeln aus Messing, welche den Victoria-Engel zeigten, wie auf dem Emailschild:

Diese frühen Schilder und Anstecknadeln blieben wohl den Radfahrern vorbehalten, da zu dieser Zeit die ersten Motorräder in der Entwicklungsphase waren.

Eines der schönsten Motive im frühen Fahrradbereich war die Dame mit dem Windhund. An Eleganz war dieses Emailschild nicht zu überbieten:

 

Dieses Schild im original ist unter heutigen Maßstab mehrere Tausend Euro wert…

Auch das folgende Schild war den eher schweißtreibenden Radfahrern gewidmet und mit einer Größe von 2,00m x 0,45m das länglichste Emailschild der Victoria-Werke A.G.:

Das Schild eignete sich bei der Illustration einer Victoria KR 8 hervorragend:

Das Emailschild nochmal anders:

Man beachte den Aufdruck auf der Unterseite des gelben Schildes, wird beim nächsten Schild eingehend beschrieben.

Es war in der Form das größte Emailschild mit den Maßen 1,40m x 0,80m ergibt 1,12 qm, und repräsentierte die Victoria-Motorrad-Ära. Dieses wohl bekannteste Emailschild hat Victoria seien Händlern zur Verfügung gestellt, deshalb auch der Aufdruck „Eigentum der VICTORIA-WERKE A.G“.:

Am unteren Rad hat das Schild den Aufdruck: links – „Torpedo-Email“ ; Mitte – „Eigentum der VICTORIA-WERKE A.G. Nürnberg ; rechts – „Frankfurter-Emaillierwerk Neu-Isenburg“. Mit diesem Aufdruck ist die Originalität des Schildes gegeben. Später hat man die linke Seite und die Angabe in der Mitte weg gelassen und nur noch rechts „Eigentum der VICTORIA-WERKE A.G. Nürnberg“ aufgedruckt:

So sieht ein Schild aus, wenn es fast hundert Jahre als Kompostbegrenzung gedient hat:

Meines Wissens nach gab es eventuell noch ein größeres gewölbtes Victoria-Emailschild, kann hiermit aber nicht belegt werden. Vielleicht kann ein etwaiger Besitzer eines solchen Schildes mit mir Verbindung aufnehmen, um unbekanntes öffentlich zu machen. Das gilt natürlich auch für andere Werbeschilder von der Firma Victoria.

Dieses schwarz/gelbe Emailschild von Victoria in den Dreißiger Jahren ist in sofern sehr selten, weil die gelbe Farbe nicht unbedingt Standard  im Hause „Victoria“ war:

Victoria Werbeschilder gab es auch als Ausleger mit beidseitiger Emaillierung um so den „Werbe-Effekt“ deutlich zu erhöhen:

Das Schild war auch als einfaches Blechschild erhältlich (nächster Beitrag).

Auch das nächste Emailschild konnte man als Blechschild erwerben:

In den Fünfziger Jahren kam dann doch noch etwas mehr Farbe ins Spiel und die Emailschilder formte man runder Ausführung:

Das begehrteste Rundschild ist zweifellos das mit dem auf emaillierten Motorradfahrer:

Unten in der Mitte gelabelt Mit „Titan Email – Münchner Emaillierwerk“.

Die Zweirad-Union-AG. übernahm die runden Schilder, welche es in Blech- und Email gab:

Zum Schluss noch ein sehr seltenes, interessantes Emailschild, wo eine Zuordung schwierig ist. Logo – VW (Victoria-Werke?), Victorol – Motoroil ? Vielleicht hat Victoria sogar eine gewisse Zeit ihr eigenes Motorenöl vertrieben. Wer weiß ?

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Victoria – mit den „ANFA“ – Seitenwagen und den „EFKA“ – Seitenwagen ab 1920…

Victoria-Seitenwagen Teil 1…

Teilweise-Text-Auszüge aus Bericht Victoria IG – Buch, Juni 2016. Buch ist bestellbar: www.victoria-ig.de.

Seitenwagenbericht ab Seite 352, Autor: Gert Reiher.

Es folgt der erste werksseitig angebotene Seitenwagen an einer Victoria KRI von 1920:

 

Ob dieser Seitenwagen von Victoria selbst hergestellt wurde kann nicht 100 % belegt werden. Es ist eher anzunehmen, das Victoria die werksseitig angebotenen Seitenwagen von der Anhaltinischen Fahrzeugfabrik aus Dessau „ANFA“ zugekauft hat und an ihre Motorräder anbaute.

Es folgen frühe Verkaufsunterlagen der Firma „ANFA“ aus Jonitz/Dessau:

Die Motorräder der Zwanziger Jahre begannen bei Victoria mit der K.R.I., ausgerüstet mit einem leistungsstarken Motor von 500 ccm und 3,75 PS. Um drei Personen zu befördern baute man einen Seitenwagen an das Motorrad. Für die Entwicklung eines Seitenwagens wie auch für die Fertigung von Seitenwagenkarosserien waren die Fertigungskapazitäten beschränkt. Bei Victoria bündelte man für die Entwicklung der Motorentechnik, die Anpassung des Fahrgestells und für weitere Neuerungen alle Kräfte. Man kann davon ausgehen, dass Victoria nur in einem beschränkten Maß eigene Karosserien hergestellt hat und auf dem eigenen Fahrgestell montierte. Victoria hat, wie auch viele andere Motorradhersteller, die Angebote von speziellen Seitenwagen-Herstellern genutzt. Wie man aus den Prospekten z.B. von „ANFA“ entnehmen kann, bauten diese Hersteller in Abstimmung mit den Motorradproduzenten die kompletten Fahrgestelle und Karosserien für deren Motorräder. Auch im Transport-Seitenwagen-Bereich war „ANFA“ gut aufgestellt, wie man auf den Prospekten sieht.

Es folgen Bilder eines original aufgefundenen frühen „ANFA“-Seitenwagens:

Das originale Typenschild, Nr.: 4755.

Vormontage inkl. originalem Fahrgestell an eine frühen BMW R 62. An einer frühen Victoria würde aber besser passen.

„ANFA“  (Anhaltinische Fahrzeugwerke-Werke AG) wurde 1901von Robert Krause in Jonitz bei Dessau gegründet. Die Firma war sehr vielfältig tätig und stellte Fahrräder, Motorradmotoren, Kupplungen und sogar von 1906-1910 Automobile mit der Markenbezeichnung „Dessavia“ her. Zu dieser Zeit waren auch Vorsteckwagen für Personen und Transportzwecke im Programm. Ob hier schon eine Zusammenarbeit in frühen Jahren mit Victoria im Vorsteckwagenbereich bestand ist nicht belegt.

Möglich, aber auch nicht:

Die Transport-Seitenwagen, wie der „Reichspostwagen“ in seiner typischen Form, wurden auch von Zulieferern wie ANFA/Dessauer und EFKA bezogen. Diese Gespann-Wagen, wie auch Kranken-Beiwagen, Taxi-Gespanne und weitere Behördenmodelle, wurden von den Motorradherstellern bei den vorgenannten Firmen bezogen. Selbst die Deutsche Industrie Werke AG (D-Rad Motorräder) in Berlin Charlottenburg die solche Gespanne in großer Stückzahl im Großraum Berlin einsetzten, bedienten sich dort.

Folgende Bilder zeigen Transport-Seitenwagen von Victoria:

Dieses Uralt-Foto ist wohl das interessanteste, da die drei auf einer Victoria KRIII von 1924 und einem „ANFA“ Seitenwagen Platz genommen haben:

Weiter folgen originale Aufnahmen von Uralt-Motorrädern mit den verschiedensten Seitenwagen:

Das nächste Bild zeigt einen frühen „EFKA“-Seitenwagen  an einer Victoria KRIII:

Diese als Taxi-Droschken bekannten „EFKA“-Seitenwagen mit geschlossenen Aufbau setzte Victoria bereits Anfang – Mitte der Zwanziger Jahre ein. Der Firmensitz von „EFKA“ befand sich in Berlin-Blankenburg. Begründer der Firma war Fritz Karstens. Auch Lasten-Seitenwagen in verschiedensten Ausführungen wurden dort gefertigt. Neben Victoria hat auch die Nürnberger Firma Triumph bei EFKA geordert.

Folgende Archiv-Aufnahme zeigt die Reichsfahrt von 1924 wo ein Taxi-Gespann mit einem Seitenwagen von EFKA an einer KRI montiert war. Bemerkenswert ist, dass der dritte Fahrer von links, der Victoria Werksrennfahrer Adolf Brudes ist:

Hier nochmal der EFKA-Seitenwagen ohne Taxi-Aufbau:

Bild: Kleine/Vennekate/T. Reinwald.

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Victoria – Vertretung in Harbin/Mandschurei

Originalprospekt – Victoria im fernen Osten:

Text:  Zum Teil,Victoria IG-Buch.

Die Familie Schander stammt ursprünglich aus dem Bodenseeraum und folgte dem Ruf von Katharina der Großen nach Russland auszusiedeln. Von der Wolga bewegten sich die Nachkommen später weiter nach Osten und fanden eine neue Heimat in der Mandschurei in der Stadt Harbin. In Harbin gelangte die Familie zu wirtschaftlichen Wohlstand. In dem Hotel, das die Familie in Harbin betrieb, wurden im Parterre Verkaufsräume für Zweiräder eingerichtet. Ein Sohn der Familie kam in den Zwanziger Jahren für ein Maschinenbaustudium nach Dresden. Er kam in dieser Zeit zu einem Abschluss mit den Victoria Werken für die Generalvertretung in der Mandschurei. Es wurden Fahrräder und Motorräder , KR20; KR35;- und KRVI-Modelle importiert:

Foto – Archiv O. Friedrich.

Wie das Bild zeigt werden Fahrräder in Einzelteilen ordentlich verpackt und zum Versand nach Harbin vorbereitet.

Herr Schander bewegte diese Fahrzeuge zu Werbezwecken in Harbin und ließ sich dabei fotografieren. Das folgende Bild zeigt eine Aufstellung von Victoria- Fahrzeugen zu Werbezwecken. In der Mitte dominiert das KR35-Gespann mit dem Sportseitenwagen von „KALI“:

Foto Archiv: O.Friedrich.

Diese Fotografien von Victoria-Gespannen wurden an die Victoria Werke geschickt, und dort entschied man sich, die Aufnahmen für einen Prospekt zu verwenden, der ca. 1930/31 publiziert wurde. Die Familie Schander vertrieb neben Victoria auch DKW und Harley Davidson.  In den Dreißiger Jahren ließ  sich die Familie als Reichsdeutsche mit deutschen Pass eingliedern, weil die Mandschurei mittlerweile ein Spielball der Interessen von Russland, Japan und China geworden war. Die Kriegswirren mit unterschiedlichen Besatzungen führten zur Vertreibung der Familie. Über eine zweijährige Zwischenstation im Nachkriegsdeutschland übersiedelte die Familie schließlich in die USA. Ed Schander war im Jahr 2012 auf dem Victoria-Treffen in Helmbrechts. Er wurde durch die Initiative von O. Friedrich zu uns gebracht. Mit einem Vortrag über die Ereignisse hat O. Friedrich die ganze Geschichte belegt.

ED Schander auf der KRVI von O. Friedrich. Ed starb im November 2015.

Shangai – Chinesische Kraftfahrabteilung auf Victoria-Gespannen:

Harbin – Victoria-Fahrer vor dem Tor zum Kloster Ti-Lo-Si:

Shangai – Chinesisches Militär auf Victoria-Gespann:

Harbin – Victoria-Fahrer zum Kloster TI-Lo-Si:

Kanton – Victoria-Fahrer im Straßengewühl:

Harbin – Blick auf das Kloster Ti-Lo-Si:

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Sodengetriebe von „ZF Friedrichshafen AG“, gebaut für Victoria KRIII Baujahr 1924

Das ZF- Soden-Getriebe für Victoria, Typ KRIII, 1924-1926:

„ZF Friedrichshafen AG“

Der folgende Bericht befasst sich mit dem Bau eines Sodengtriebes in den Jahren von 1924-1926 welches für schwere Motorräder mit 3 Gängen für die Firma Victoria ausgelegt wurde.

Grundlage dafür ist das Buch von Herrn Dr.-Ing. Werner Beisel : „Das Sodengetriebe“ in Fahrzeugen der Zwanziger Jahre (2018). Für interessierte Leser hier die ISBN-Nummer: 978-3-00-058503-6. Das Soden-Motorrad-Getriebe ist hierbei nur ein kleiner Teil des Umfanges, welches im Buch beschrieben wird. Sehr umfangreich werden diese Getriebe für die gesamte Fahrzeugbranche bis hin zur Militärtechnik, Nutzfahrzeuge und vor allem Personenkraftwagen auf fast 400 Seiten dargestellt…

Mit der freundlichen Unterstützung von „ZF Friedrichshafen AG“ – Historische Kommunikation, wurde Dr. Beisel mit Archivmaterial versorgt, ansonsten wäre wohl ein solches Werk gescheitert.

Für meine Internetseite bekam ich die Freigabe von Dr. Beisel und von ZF“ zur Verwendung deren Unterlagen, wofür ich mich recht herzlich bedanke.

Aber, wie bin ich zu diesen Informationen gekommen ?

Am zweiten Oktober Wochenende findet immer in Mannheim immer die „VETERAMA“, der größte Oldtimermarkt in Europa statt. Von Freunden bekam ich die Info, irgendwo am Eingangsbereich liegt ein altes Getriebe von Victoria herum. Gesagt, getan, nach einiger Zeit bin ich fündig geworden. Das lag es, auf den ersten Blick ein KRIII-Getriebe. Auf den zweiten Blick – ein Anschluss einer drehbaren Welle und ein Ausrückhebel ? Sowas gab es bei einem Standard-Getriebe nicht. Zum Glück musste ich nicht ewig rätseln, da der Verkäufer die Lösung mit hatte, nämlich das frische Werk eines Buches, wie Eingangs beschrieben. Da gab es natürlich kein zögern, das Teil nehme ich mit…

Die folgenden Bilder zeigen das originale Victoria-Soden-Getriebe für ein Motorrad Typ KRIII aus dem Jahr 1924:

oben Ausrückhebel, unten Gangwahl-Anschluss über Welle.

Für den Einsatz im Motorrad konnte dieses kompakte Dreigang-Soden-Getriebe mit nur einer Vorgelegewelle dargestellt werden. Die Getriebewellen lagen quer zur Fahrtrichtung, der Schaltungsmechanismus war in Fahrzeug-Längsrichtung angeordnet. Bei diesem Getriebe führte der Kraftfluss für die ersten beiden Gänge über eine Vorgelegewelle, der dritte Gang wurde als Direktgang ausgeführt. Die Gangvorwahl erfolgte durch einen Drehgriff am Lenker. Mit dem Mechanismus zur Gangvorwahl war eine Anzeige des Ist-Ganges verbunden. Die grundsätzliche Funktion der Schaltung entsprach den PKW- und LKW-Fahrzeuggetrieben. Technisch wurde der Aufbau des Schaltungsteiles jedoch anders gelöst. Die Vorrichtung zum Auslösen der Schaltung und zum Abheben der Schaltgabeln beim Kuppeln nach Gangvorwahl bestand aus einer in Längsrichtung geschlitzten Hohlwelle. Durch Verdrehen dieser Hohlwelle beim Auskuppeln wurden alle drei Schaltgabeln gegen Federkraft in Richtung -Offen- gedrückt. Die Betätigung der Welle erfolgte hinten an der Getriebeunterseite über einen Hebel. Der Mechanismus zur Verriegelung der Schaltgabeln befand sich beim Motorradgetriebe innerhalb der durch die Kupplungsbetätigung zu verdrehenden Hohlwelle. Diese Verriegelung erfolgte durch einen axial verschiebbaren Riegelschieber. Dieser wurde durch den Drehgriff am Lenker gegen Federkraft axial gedrückt. Abhängig von der axialen Stellung des Schiebers wurde die Schaltgabel für den jeweils vorgewählten Gang freigegeben. Über die axiale Stellung des Riegelschiebers war eine Anzeige des Ist-Ganges möglich. Text: Dr.-Ing. W. Beisel.

„ZF Friedrichshafen AG“

Querschnitt im Bereich der An- und Abtriebswelle, Blick von hinten.

Waagerechter Schnitt in der Wellenebene, Blick von oben.

Schnitt im Bereich der Gehäuseteilung durch die Getriebewellen, Blick von links. „ZF Friedrichshafen AG“

Es folgt – Victoria KRIII-Gespann als Prototyp mit ZF Dreigang-Soden-Getriebe. Hinterradantrieb über Kette, Bremse hinten als Keilbremse zwischen Hinterrad und Kette von 1925:

„ZF Friedrichshafen AG“

Daten zum Fahrzeug:

Kennzeichen: III Z-6098 (Zulassung in Tettnang) Prototyp auf ZF-Fotos.

Für die Fahrzeugerprobung hat ZF mindestens ein Motorrad mit Seitenwagen der Firma Victoria Nürnberg vom Typ KRIII erworben. Das Getriebe liegt hinter dem Zweizylinder-Boxermotor und wird von diesem mit einer Kette angetrieben. Die auf den ZF-Bildern sichtbare große Schwungscheibe sitzt auf der Motor-Kurbelwellen-Achse. Die zwei Zylinder des Boxermotors liegen in Fahrzeuglängsrichtung. Die Einbausituation vom Soden-Getriebe und vom Dreigang-Handschaltgetriebe des Serienmodells ist vergleich- bzw. austauschbar. Text: Dr.-Ing. W. Beisel

Einbausituation des Soden-Getriebes hinter dem KRIII Boxer-Motor. Der rote Pfeil markiert den Anschluss der Kupplungsbetätigung, bzw. die Betätigung der Getriebewelle.

Das nächste Bild zeigt den Gangwähler für das Soden-Getriebe am Lenker der Victoria KRIII. Die Gangvorwahl erfolgt über den Drehgriff, der über einen kleinen Hebel mit dem Daumen entriegelt wurde. Der Doppelhebel ist für die  Gas (unten)- bzw. Luftregulierung (oben) zuständig:

Die Ist-Gang-Anzeige befand sich in Verlängerung der Drahtspiralleitung zum Getriebe. Aktuell ist der erste Gang vorgewählt, das Getriebe befindet aber noch im Leerlauf:

Die Einträge im Zeichnungsbuch datieren für die Motorradvariante von März bis November 1924. Unter den Versuchs-Unkosten sind für die Jahre 1924 und 1925 Kosten für Versuche mit dem neuen Motorrad-Soden-Getriebe erfasst. Für diese Versuche wurden drei Motorradgetriebe hergestellt, die Kosten hierfür lagen bei 3.024.- Mark. Für die konstruktive Mitarbeit am Soden-Motorrad-Getriebe wurden an den Oberingenieur Wilhelm eine Vergütung von 5.000.- Mark bezahlt. Die erfassten Versuchskosten waren im Vergleich dazu minimal. Die Relation zwischen Konstruktionskosten und Versuchskosten sieht heute völlig anders aus, der Versuchsaufwand übersteigt den Konstruktionsaufwand beträchtlich. in einem technischen Bericht zum Geschäftsjahr 1924 wurde vermerkt, das im vergangenen Jahr für Motorräder eine Soden-Getriebe-Konstruktion durchgeführt wurde und die Versuche zur Zufriedenheit beendet wurden. Das Victoria Motorrad mit ZF Getriebe wurde im September 1927 an Albert Schrag verkauft, der in diesem Jahr als Prokurist für die Buchhaltung bei ZF verantwortlich war.

Am 01.08.1924 meldet die Zeitschrift MOTOR „Mit einem Soden-Motorrad-Getriebe hat Z.F. ein ganz neues Feld der Absatzmöglichkeit geschaffen.“ In der Zeitschrift MOTOR vom März 1925 auf Seite 86 wird eine Statistik zu Motorrädern auf die Zahnradfabrik Friedrichshafen hingewiesen „Geräuschloser Lauf des Getriebes lässt sich erreichen durch die sogenannte Maag-Verzahnung, welche von der Zahnradfabrik Friedrichshafen hergestellt wird; diese Firma baut auch das Soden-Getriebe für Motorräder, das wegen der Erleichterung des Schaltens größte Beachtung verdient.“ Vom Soden-Motorrad-Getriebe wurden nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich Prototypen hergestellt. Es kam nicht zum Serieneinsatz. Text: Dr.-Ing. W. Beisel.

Fazit: Es wurden wahrscheinlich nur drei Stück dieser seltenen Soden-Motorrad-Getriebe hergestellt. ES sind zwei dieser Getriebe bekannt. Der Nachbau einer Gangvorwahl mit Wellenanschluss, welche ja auch noch nicht auffindbar war, gestaltet sich schwierig, ist aber lösbar.  Wahrscheinlich hat das Getriebe bei der Übernahme von ZF für Victoria in die Serienproduktion zu hohe Kosten verursacht und die Serienmaschine KRIII wäre dann im Endprodukt zu teuer geworden, deshalb wurde diese Neuerung verworfen. Schade, denn mit dieser Art von Schaltung wäre Victoria einen Meilenstein der Konkurrenz voraus gewesen.

Weiterhin hat man die sogenannte Kaffeemaschinen-Schaltung, also als Handschaltung mit einer Durchführung durch den Benzintank und über ein Gestänge zum Getriebe beibehalten. Das war sicherlich die kostengünstigste Variante:

Handschaltung oberhalb Benzintank.

Originale Victoria KRIII mit Seriengetriebe.

Linke Seite der Kupplung (Primärseite).

Schnitt durch das Seriengetriebe.

Rechte Seite der originalen Victoria KRIII:

 

Mit der letzten Victoria KRIII von 1928 hat man dann die Schaltung an die rechte Seite vom Motor verlegt:

Diese Neuerung war von der Handhabung natürlich die bessere Variante, aber mit dem modernen Soden-Getriebe und der damit verbundenen Handschaltung am Lenker, hätte Victoria, wie bereits erwähnt einen ganz großen Durchbruch erreicht.

ZF – Soden-Getriebe mit Gang-Wahl am Lenker.

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